Pfarrei Bad Neuenahr-Ahrweiler
Zwei Kreuzwege – ein Glaubensweg
Ausstellung in der St. Laurentius Kirche in Ahrweiler
In der Fastenzeit wird in der St. Laurentius Kirche Ahrweiler zu einer besonderen Begegnung mit der Passion Christi eingeladen. Besucherinnen und Besucher können dort zwei Kreuzwege aus unterschiedlichen Epochen betrachten, die miteinander in einen spannenden Dialog treten: den historischen Kreuzweg des Bildhauers Georg Busch aus den Jahren 1905 bis 1907 sowie einen modernen Kreuzweg des Künstlers Robert Reuter.
Die zeitgenössischen Arbeiten sind bewusst unterhalb der historischen Stationen angebracht. Dadurch entsteht ein unmittelbarer Vergleich zwischen der Bildsprache des frühen 20. Jahrhunderts und einer künstlerischen Interpretation unserer Zeit. Tradition und Gegenwart treten so in Beziehung zueinander und eröffnen neue Perspektiven auf das Leiden und Sterben Jesu.
Der historische Kreuzweg wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von dem Münchner Bildhauer Georg Busch geschaffen. Seine Reliefs aus Kalksandstein zeigen die vierzehn Stationen des Leidensweges Jesu in ruhiger, würdevoller Formensprache. Busch verband handwerkliche Präzision mit einer sensiblen Darstellung der Figuren. Die Gesten bleiben zurückhaltend, wirken jedoch eindringlich und laden zur stillen Betrachtung ein. Besonders das Antlitz Christi vermittelt Schmerz, Erschöpfung und Hingabe, ohne dramatisch übersteigert zu sein.
Dem gegenüber stehen die Arbeiten des Künstlers Robert Reuter, der in den 1950er Jahren an den Kölner Werkschulen Malerei, Grafik und Design studierte. Sein moderner Kreuzweg überträgt die Ereignisse von Karfreitag in die Gegenwart. In reduzierter, klarer Bildsprache thematisiert er Gewalt, Ungerechtigkeit und menschliche Ohnmacht – Erfahrungen, die auch heute noch Teil der Welt sind.
Die ursprüngliche Form des Werkes war eine Stele aus sieben spiralig angeordneten Würfeln mit insgesamt 14 Lithografien. Für die Ausstellung wurden diese Grafiken in entsprechender Größe reproduziert und so angeordnet, dass sie den historischen Stationen gegenüberstehen. Dadurch entsteht ein intensiver Blickwechsel zwischen zwei künstlerischen Ausdrucksformen und zwei Zeiten.
Die Ausstellung lädt dazu ein, den Kreuzweg nicht nur als historisches Geschehen zu betrachten, sondern als Weg der Reflexion über Leid, Hoffnung und menschliche Würde. Wer sich Zeit nimmt, beide Werke bewusst zu vergleichen, entdeckt überraschende Parallelen – und auch neue Fragen.
Die Kirche kann während der allgemeinen Öffnungszeiten besichtigt werden.