Pfarrei Bad Neuenahr-Ahrweiler

Walporzheim - Josefskapelle

Die Bilder wurden dankenswerterweise von Harald Knieps zur Verfügung gestellt.

In der Pfarrei Bad Neuenahr-Ahrweiler gibt es durch die verheerende Flutkatastrophe im letzten Jahr insgesamt 22 überflutete Gebäude, darunter 4 Kindergärten, 5 Kirchen, 2 Pfarrhäuser, 4 Pfarrheime und noch weitere Objekte. 

In einer „Informationsreihe zu den kirchlichen Gebäuden“ möchte die Pfarrei über den aktuellen Stand der Gebäude informieren und einen kleinen Einblick in die Entwicklung und Planung geben. 

Was hat sich bisher schon alles getan? Wie hoch sind die Schäden? Welche Überlegungen gibt es für die Zukunft? Vor welchen Herausforderungen steht die Gemeinde? 

Nach der Flutkatastrophe haben sich Vertreter des Bistums zeitnah die einzelnen Liegenschaften der Pfarrei angesehen, um eine erste Einschätzung abzugeben. Neben jenen Vertretern unterstützen Jörg Meyrer, Dr. Arno-Lutz Henkel, Michael Seeliger und Norbert Welsch die Koordinierung der Immobilien und den Aufbau. 

Beauftragt hat das Bistum das Architekturbüro Unger für ein Schadensgutachten und für die Ausführung das Architekturbüro Berdi in Bernkastel Kues. 

Die Josefskapelle ist seit der Flut vor allem durch ein Foto bekannt geworden, was durch die Presse gegangen ist. Das Bild wird vielen Menschen noch vor Augen stehen. Eine Straße komplett voll mit Müll, Weinfässern, Schlamm, Wasser und Allerlei. Am Ende des Bildes erkennt man die Josefskapelle, die vom hiesigen Kapellenverein Walporzheim unterstützt wird. 

„Ich habe selbst 3 Häuser, die zerstört sind – aber als ich die Bilder von unserer Kapelle gesehen habe, dachte ich mir, die kannst du nicht einfach liegen lassen. Da muss was geschehen.“, so der Schatzmeister des Kapellenvereins Harald Knieps. Nach den Bildern entschloss sich Knieps mit dem stellvertretenden Vorsitzenden Edgar Flohe selbst tätig zu werden. Mit breiter Unterstützung aus der Gemeinde und anderen Helfern und Helferinnen wurden die Wände der denkmalgeschützten Kapelle abgeklopft, Bodenbeläge entfernt und die Kirche bis zum Altarraum von Wasser, Schlamm und Schutt befreit. „Nur den Altarraum haben wir gelassen, da haben wir uns nicht getraut. Man kann ja nicht einfach so einen Altarraum abreißen.“, so Edgar Flohe.

Wie geht es nun weiter? Der Zustand, den man vorfand, war desolat. Die Heizungsanlage, eine Luftheizung im Keller, war samt Brennwertgerät kaputt. Der Kanal der Luftröhren war immer noch voller Schlamm und Wasser. „Was machen wir damit, haben wir uns gefragt, denn reinkrabbeln wollte keiner.“, so Knieps. 

Deshalb legte man den Fokus auf den Boden, wo man auf mehrere Schichten stieß. Mit den Bohrarbeiten gelang es dann, mehr durch Zufall,  einen Lüftungskanal zu treffen, der auf diese Weise offengelegt werden konnte. Die Glaswolle und das Rohr waren vollkommen mit Schlamm durchweicht. 

Durch Kontakte wurde der junge Heizungsbauer Gert Heinrich auf den Wiederaufbau der Josefskapelle aufmerksam und hatte direkt Lust, mit zu renovieren. „Wisst ihr was, ich spende euch eine Heizung!“, so Heinrich, der dem Kapellenverein daraufhin zunächst ein Gasgerät spendete und anschließend eine Fußbodenheizung in die Kapelle einbaute. „Das ist was Besonderes! Vom Vatikan bis hier ist unsere Kapelle einmalig, denn wir haben eine Fußbodenheizung.“, so Knieps, der sichtlich stolz auf diese Errungenschaft ist. 

Nicht nur die Fußbodenheizung wurde dem Kapellenverein gespendet, sondern auch weitere Spenden erreichten den Verein. Betonspenden, Dachdecker, Baggerarbeiten, Estrich – Arbeitskraft, Material – all das wurde von Betrieben kostenlos zur Verfügung gestellt. 

Auch 160qm2 Fliesen wurden dem Kapellenverein gespendet. Leider können diese jedoch nicht in die Kapelle eingebaut werden, da die Kapelle denkmalgeschützt ist und aufgrund von Auflagen, wie zuvor auch, ein roter Sandstein verlegt werden muss, um die Historizität der Kirche beizubehalten.

Auch die zwei Engelsfiguren, die zuvor zum Bestand des Klosters Calvarienbergs gehörten, und an die Kapelle gespendet wurde, hat die Galerie 33 („Die Rahmenmacher“) aus Essen restauriert und wiederhergestellt. Derzeit werden die Wände mit Lehm verputzt. 

Zuletzt wurde nun der Altarraum herausgenommen. „Hätten wir das vorher gewusst, dann hätten wir den natürlich direkt auch mitabgerissen.“, so Flohe. Der Altarraum war durch drei Stufen vom Chorraum abgesetzt. Dieser Bereich ist nun abgesenkt worden, sodass ein ebenerdiger Altarraum entsteht. Noch immer trauert der Kapellenverein dem neuen Schrank der Sakristei hinterher. „Der Schrank wurde 4 Tage vor der Flut bezahlt und eingebaut. Ich selbst habe ihn nie zu sehen bekommen. Der Schrank ist nie wieder gefunden worden.“, so Knieps. 

Die Holzbänke der Josefskapelle wurden von der Handwerkskammer durch die Schreinerinnung kostenfrei abgeholt, aufgearbeitet und stehen derzeit an der Mosel. 

Michael Seeliger, zuständig für das Immobilienmanagement der Pfarrei, schaut sehr beeindruckt auf das, was dort alles aus Eigeninitiative geschaffen wurde. „Ohne die Spenden und Hilfsbereitschaft, wäre die Kirche noch nicht so schnell wieder hergestellt.“, so Seeliger. Den derzeitigen Schaden schätzt man auf ca. 150.000 Euro.

Wie sieht die Zukunft der Kapelle aus? Das zukünftige Konzept, wie es in der Kirche konkret aussehen soll ist man noch in Planung. 

Harald Knieps beschreibt den Prozess als sehr bereichernd, da auch über andere Dinge mit Blick auf die Kapelle gesprochen wird und es ein Mitspracherecht gibt bei der Anordnung der Stühle oder Bänke und vor allem bei der Position des Altars. Dazu hat Pfarrer Jörg Meyrer, einige Vertreter des Kapellenvereins eingeladen, sich andere Raumkonzepte von Kapellen und Kirchen in der Umgebung anzusehen. „Wir werden uns mal zwei oder drei Kirchen und Kapellen ansehen und schauen, wie man zukünftig diese Kapelle für die Menschen vor Ort gestalten kann.“, so Meyrer. Dazu wird es demnächst eine kleine Entdeckungstour geben. 

Eins steht jedoch schon fest: Es wird keine befestigten Bankreihen mehr geben. „Wir sind jetzt einmalig durch unsere Fußboden-Heizung, aber dadurch können Bänke nicht mehr am Boden befestigt werden, ohne diese zu beschädigen.“, so Knieps. Wichtig sei, so der Kapellenverein und Vertreter des Bistums und der Pfarrei, dass die Menschen wieder einen Rückzugsort in Walporzheim haben und das sei geschehen! Ein großer Dank geht vor allem an alle Spender und Spenderinnen, Helfer und Helferinnen, die die Kapelle wieder zu diesem Ort gemacht haben. Geplant ist, dass die Kapelle im nächsten Jahr fertiggestellt ist und diese mit einer großen Veranstaltung zu Ostern eröffnet wird. 

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