Pfarrei Bad Neuenahr-Ahrweiler

St. Pius - Ahrweiler

Viele Menschen haben durch die Flut alles verloren. Vieles ist für immer verschwunden oder konnte nicht gerettet werden. Aber manchmal gibt es Dinge, die auf abenteuerliche Weise doch wieder zu ihrem Besitzer, zu ihrer Besitzerin zurückkommen.

Die St. Pius Kirche in Bad Neuenahr-Ahrweiler ist besonders für Ihre, wie es der Name schon sagt, Pius Sammlung bekannt. Durch die Flut sind viele Reliquien, wie Bücher, Bilder oder auch ein Rasiermesser von Papst Pius X. verschwunden bzw. konnten nicht mehr gerettet werden. Andere Reliquien konnten gerettet und ausgelagert werden.
Auch der Kreuzweg war zunächst verschwunden, doch 10 der 13 Stationen sind auf abenteuerlichen Wegen bei Manfred Rosenthal gelandet. Herr Rosenthal hat diese gesäubert, sodass sie wieder genutzt werden können.
Durch diese und viele weitere freiwilligen Helfer und Helferinnen erfuhr die Pius Gemeinde eine große Unterstützung nach der Flut. Fast alle der Gemeindemitglieder*innen waren selbst stark von der Flut betroffen, doch trotzdem wurde die Kirche nicht zurückgelassen. Unterstützt von Helfern und Helferinnen des Helfershuttles und des Hauses der Hoffnung konnte die Kirche so von Wasser, Schlamm und allem anderen befreit werden. Alles wurde grob wiederhergestellt.

Das Baugutachten dotiert allein die Schäden an Möbeln und Ausstattung auf knapp 400.000€, darunter allein 85.000€ für die Instandsetzung der Holzbänke. Das große Kreuz hat keinerlei Schaden genommen. Die Orgel sei zwar nicht unmittelbar betroffen, aber mittelbar aufgrund der enormen Feuchtigkeit, sodass ein Schaden von circa 80.000€ derzeit angerechnet wird.
Die Sanierungskosten laut Baugutachten belaufen sich derzeit auf 2,4 Millionen Euro. Hinzu kommen noch einmal circa 400.000€. Dies sind alles Zeitwerte, die aufgrund der aktuellen Lage noch einmal höher werden können.

Das entscheidende baubiologische Gutachten steht derzeit auch noch aus. Dieses gibt Auskunft darüber, ob in der Bausubstanz eine Belastung zum Beispiel durch Keime, Heizöl oder mikrobiologischen Befall schon enthalten ist und wie tief sie befallen ist. Aus diesem Gutachten kann abgeleitet werden, ob eine Sanierung noch aufwändiger wird.
Gerade an der Oberahr sind viele Gebäude von einem Heizöl Schaden betroffen. Das Heizöl ist tief in die Mauerwerke eingedrungen und dieses bekommt nicht mehr heraus, sodass ein Abriss die notwendige Konsequenz ist. Anhand des mikrobiologischen Gutachten kann jedoch auch abgeleitet werden, ob mittels Desinfektion oder einem Abwasch, diese Schäden beseitigt werden können.
Entscheidend für die Instandsetzung wird auch die Summe sein. Derzeit geht die Pfarrei Bad Neuenahr-Ahrweiler nur für das kirchliche Gebäude von einem Schaden von 2,8 Millionen Euro aus. Die Zahl leitet sich aus den bis jetzt festgestellten baulichen Schäden für die Sanierung ab, dabei ist noch keine Zahl für die baubiologischen Maßnahmen eingeflossen, weshalb die Summe noch weiter ansteigen könnte.

Die Entscheidung wird bei dem neuen Verwaltungsrat der Pfarrei Bad Neuenahr-Ahrweiler liegen. Der Verwaltungsrat verwaltet das kirchliche Vermögen in der Pfarrei und übernimmt Verwaltungsaufgaben, wie Entscheidungen über Immobilien, Finanzen etc. Die Wahl des Verwaltungsrates hat erst am 10. Mai 2022 stattgefunden.
Sicher ist jedoch, so bestätigte auch Pfarrer Dr. Arno-Lutz Henkel, dass die Nebengebäude, Pfarrhaus, Pfarrheim und Kindergarten allesamt einen wirtschaftlichen Totalschaden erlitten haben.

Schon vor der Flut ist die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler auf die Pius-Gemeinde zugekommen, da es eine große Nachfrage nach Kita-Plätzen gab, sodass zusätzliche Gruppen errichtet werden sollten, um der Nachfrage nachkommen zu können. Nach der Flut wiederholte die Stadt ihr Angebot, die Liegenschaft der Kita zu erwerben. Prämisse für den Verkauf war, dass die Kita in katholischer Trägerschaft bleibt, sodass zwar die Bauträgerschaft gewechselt hat, die Betriebsträgerschaft aber weiterhin bei der Kirche bleibt.
Das angrenzende Pfarrhaus war vor der Flut vermietet. Die Mieter konnten sich alle retten, jedoch konnten nur wenige Gegenstände gerettet werden. Das Pfarrhaus befindet sich im selben baulichen Zustand wie die restlichen Gebäude. Allein für das Pfarrhaus wird ein Schaden von 360.000€ angenommen, was einem wirtschaftlichen Totalschaden gleichkommt.

An Palmsonntag traf sich Pfarrer Jörg Meyrer mit circa 15 Vertretern und Vertreterinnen vor Ort, um Klarheit in die aktuelle Situation zu bringen. „Viele Personen, die vormals in der Pfarrei St. Pius aktiv waren oder Interesse am jetzigen Pfarrbezirk St. Pius zeigen, kamen zusammen. Schon bei der Zukunftswerkstatt haben die Personen Ideen gesammelt und aufgeschrieben, wie die zerstörte Kirche St. Pius wiederaufgebaut und auch alternativ genutzt werden könnte“, so Meyrer über das Treffen.
„Diese Ideen werden in die Zukunftswerkstatt weiterhin einfließen und zusammen mit den anderen Vorschlägen vom Pfarrgemeinderat und vom Verwaltungsrat bei den Entscheidungen eine wichtige Rolle spielen“, so Meyrer zu den nächsten Schritten. Wichtig sei, dass Entscheidungen gemeinsam und transparent getroffen werden.

„Wir sind froh, dass wir über Beschlüsse aufgeklärt worden sind und etwas Klarheit bekommen haben, wie es um unsere Kirche steht“, resümiert eine Teilnehmerin das Gespräch.

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